Das Thema «Res Publica»

RES PUBLICA (die öffentliche Sache) ist kein neutraler Raum, sondern ein politisch gemachter. Die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem entscheidet darüber, wessen Leben verhandelt, wessen Körper reguliert und wessen Intimität geschützt wird.

Der Staat greift tief in das Körperliche ein: durch Reproduktionspolitik, Sexualmoral, Gesundheitsrecht, Strafverfolgung. Biopolitik, wie Foucault sie beschrieben hat, bedeutet: Macht regiert nicht nur Territorien, sondern Leben selbst. Welche Körper gelten als normal, schützenwert, sichtbar?

Sexualität war nie unpolitisch. Heteronormativität ist eine staatstragende Institution. Queere Sichtbarkeit ist ein politischer Akt, genauso wie das Recht auf Unsichtbarkeit, auf Privatheit als Schutzraum. Das Private ist politisch, aber nicht jede Öffentlichkeit ist Befreiung.

Die Fotografie macht dieses Spannungsfeld sichtbar: Der Blick entscheidet, was gezeigt wird und was verborgen bleibt. Wer fotografiert wen und mit welchem Einverständnis? Sichtbarkeit kann Widerstand sein. Sie kann aber auch Kontrolle bedeuten.

RES PUBLICA fragt: Wo endet das Private, wo beginnt das Öffentliche? Und vor allem: Wer zieht diese Grenze?

Weitere Beiträge